Unsere Philosophie

Biopflanzen für den Hausgarten/Selbstversorgungsgarten

Wir sind ein nach EU-Richtlinien zertifizierter Biobetrieb. Das bedeutet, wir arbeiten fast ausschließlich und wo immer es möglich ist mit biozertifiziertem Saatgut. Wir verwenden biozertifizierte Erden ohne künstliche Wachstumsbeschleuniger für gesunde und langlebige Pflanzen und versuchen mit einem Minimum an Energieeinsatz auszukommen. Unsere Pflanzen stehen unter möglichst kühlen Bedingungen in drei verschiedenen Temperaturbereichen und werden vor Verkauf einer Abhärtung unterzogen, das bedeutet, sie werden schon einmal vorsorglich kälteren Temperaturen ausgesetzt. Wir bieten ein breites Sortiment von zur Zeit 180 verschiedenen Arten und Sorten an, die ausschliesslich aus eigener Anzucht stammen. Wir achten bei der Auswahl der Sorten auf die besondere Eignung des Anbaus im Kleingarten/Selbstversorgergarten. Kriterien dafür sind Robustheit, Krankheits- und Schädlingsresistenz, eine möglichst lange Ernteperiode und eine möglichst hohe Angepasstheit an unser heimisches Klima. Wir bauen in unserem kommuneeigenen Selbstversorgungsgarten alle Sorten zum Test an. Was sich bewährt bleibt im Sortiment und was nicht überzeugt fliegt wieder raus. Wir sind Freunde der direkten Selbstvermarktung und verkaufen unsere Produkte am liebsten direkt aus unserem Gewächshaus und auf Märkten der Region. Wir sind ein gleichberechtigter Kollektivbetrieb auf dem Gelände einer Gemeinschaft mit gemeinsamer Ökonomie (Kommune Waltershausen).

Saatgut und Erhaltung der Kulturpflanzenvielfalt

Wir verwenden biozertifiziertes Saatgut von kleineren aussschließlich biologisch arbeitenden Unternehmen in Deutschland und Österreich, welche mit Auslese-Züchtung und samenfesten Sorten arbeiten. Die großen Saatgutkonzerne, die 90% des Weltmarktes beherrschen und deren Ziel es ist, durch Patente und aufwendiges Sortenrecht ihre Monopolstellung bei der Herstellung von pflanzlichen und tierischen Produkten aufrechtzuerhalten, bekommen von uns keinen Cent. Saatgutzucht und Nahrungsmittelanbau sind unserer Meinung nach kulturelles Allgemeingut, das jedem Menschen zugänglich sein muss und Teil des Selbstbestimmungsrechtes der Menschheit sein sollte. Die Praxis der Patentierung lebendiger Organismen lehnen wir deshalb ab. Das wertvolle Kulturerbe unserer Pflanzen muss gepflegt und entwickelt werden. Das bedeutet zum Beispiel den Erhalt der Sortenvielfalt und Qualität unserer Pflanzen und damit auch des Geschmacks, der Vielfalt und der Gesundheit unserer Nahrungsmittel. Dazu ist es unerlässlich die Saatgutverkehrsgesetze zu ändern. Diese verlangen aufwändige und teure Sortenprüfungen bei der Vermarktung von Saatgut. Kleinere Saatgutbetriebe, Erhaltungszüchter und Vereine zur Erhaltung von Kultursaatgut ist es nicht möglich diesen Auflagen nachzukommen. Dadurch wird die Vermarktung von nicht zugelassenen Sorten erschwert bis verhindert, was einen Hemmschuh für die Erhaltung und Verbreitung alter und regionaler Sorten bedeutet.

Wir fordern die Abschaffung der Pflicht zur Sortenprüfung

und möchten, dass Sortenprüfungen und Zulassungen auf freiwilliger Ebene möglich sind. Damit wäre eine freiwillige Qualitätsprüfung von Saatgut für den Erwerbsgartenbau und die Landwirtschaft möglich und im Gegenzug würde die ungeprüfte Vermarktung von alten und lokalen Sorten ermöglicht. Ziel einer klugen Landwirtschaftspolitik sollte die Erhaltung und Pflege lokaler Sortenvielfalt für einen bunten Speisezettel sein. Wir hätten daurch viele den lokalen klimabedingungen angepaßte Sorten. Die gängige Politik auf deutscher und europäischer Ebene protektioniert aber leider eher die wirtschaftlichen Interessen der großen Saatgutkonzerne und führt immer mehr zum Verlust der Sortenvielfalt und daurch zu einem weltweiten Einheitsbrei.

Hauptgefahr Gentechnik

In dieser Philosophie haben gentechnisch veränderte Organismen keinen Platz.  Vor allem die „grüne Gentechnik“ ist mit ihren unkalkulierbaren Risiken die ernsthafteste Bedrohung für unserer Nahrungsmittelpflanzen. Chemische Verunreinigungen bauen sich mit der Zeit ab. Selbst Radioaktivität hat eine Halbwertszeit, auch wenn diese teilweise bei mehreren tausend Jahren liegt. Unvorteilhafte und gefährliche Wirkungen von gentechnischen Veränderungen jedoch verbreiten sich durch Verebung und Einkreuzung und verfielfachen sich damit.  Um ein Auskreuzen gentechnisch veränderter Pflanzen zu verhindern, hat sich die Gentechniklobby das „Terminatorgen“ ausgedacht. Mit der Schwarzeneggermethode soll sich der Organismus nach Erfüllung siner Aufgabe per eingebautem Gen quasi selbst zerstören.  Was geschieht, wenn sich dieses Terminator-Gen möglicherweise auskreuzt?  Gentechnik schafft tickende Zeitbomben, die eine existentielle Bedrohung unserer Versorgung mit Nahrungsmitteln darstellen. Diese unverantwortlichen Praxis muss möglichst schnell weltweit verboten werden. Es ist unverantwortlich derart grundlegende Allgemeingüter den Profitinteressen Einzelner zu opfern.

Nahrungsmittelproduktion, die krank macht und zerstört

Biologisch-gesunde Nahrungsmittelproduktion verzichtet auf giftige Chemikalien wie Insektizide, Herbizide und Fungizide (Gifte zur Vernichtung von Schädlingen, Unkräutern und Pilzkrankheiten). Diese können sich im Boden und den Pflanzen ansammeln und stellen eine Gefahr für unser Grundwasser und unsere Fauna und Flora dar. Zudem stehen mehrere dieser Mittel im Verdacht, krebsauslösende Faktoren darzustellen und für die Zunahme von Autoimmunkrankheiten verantwortlich zu sein.  Die Zunahme von Lebensmittelunverträglichkeiten und Allergien ist ein weiterer Aspekt dieser Praxis. Auffällig ist, dass gerade bei Früchten, deren Pflanzen während der Ernte regelmässig mit Pflanzenschutzgiften behandelt werden, die Allergieanfälligkeiten besonder hoch sind (z.B. Gurken/Tomaten/Paprika/ Erdbeeren). Ein Einsatz von Kunstdüngern auf Mineralölbasis, wir er in der konventionellen Landwirtschaft üblich ist,  ist erwiesenmaßen ebenfalls schädlich für Grundwasser, Bodenlebewesen, Fauna und Flora und führt nur zu einer künstlichen Aufpuschung der Bodenfruchtbarkeit.  Die natürliche Bodenfruchtbarkeit wird zerstört, der Boden laugt trotz guter Erträge immer mehr aus. Der Boden und damit auch der Landwirt wird dadurch langfristig abhängig von teuren Mineraldüngern, was die großen Konzerne dann wiederum freut, denn das ist gut für´s Geschäft.  In die Röhre gucken dann alle anderen vom Bodenlebewesen, deren Lebensgrundlagen vermindert werden über den Landwirt, der höhere Kosten hat bis hin zum Verbraucher, der ungesunde, künstlich aufgeblasene und nährwertarme Lebensmittel erhält.

Gesunde Nahrungsmittelproduktion, die das Leben würdigt

Biologische Bodenbewirtschaftung geht von der Erkenntnis aus, das nichts eigenständig existiert. Vielmehr sind Pflanzen, Tiere und Mensch durch die Wechselwirkungen im Ökosystem auf das engste Miteinander verbunden. Wenn wir umsichtig wirtschaften, indem wir andere Lebewesen und Pflanzen und deren Bedürfnisse beachten steigt auch unser Gewinn. Wir bekommen gesündere Lebensmittel und eine lebenswertere Umwelt. Durch intelligente Bodenbewirtschaftung, Aufgabe von großen Monokulturen, kleinteiligerer Feldbewirtschatung, gut überlegten Fruchtwechseln und mechanischer Beikrautregulierung sowie den Einsatz von Kompost, Mist, Pflanzenjauchen, Gesteinsmehl, Leguminosenschrot und Pflanzenpräperaten wie zum Beispiel Ackerschachtelhalmbrühen erreichen wir auf natürlichem Wege eine nachhaltige Bodenfruchtbarkeit und eine Pflanzengesundheit, die chemische Mittel bestens ersetzen.  Die Fruchtbarkeitsverhältnisse werden  stabiler, die Pflanzengesundheit wird stabiler, der Beikrautdruck läßt mit der Zeit spürbar nach, Bodenlebewesen, Pflanzen und Tiere stellen sich wieder ein und es entsteht ein stabileres natürliches Gleichgewicht, das nur noch von Zeit zu Zeit mit Nützlingseinsatz und intelligenten Kulturführungsmaßnahmen reguliert werden muß.  Die biologische Wirtschaftsweise ist bestens erprobt und hat sich bewährt und sie verlangt mehr Einsatz menschlicher Arbeitskraft als die konventionelle Landwirtschaft. Wir gewinnen auf vielen Ebenen Lebensqualität durch diese Wirtschaftsweise. Das sollte es uns wert sein, entweder durch vermehrten eigenen Einsatz von Arbeitskraft im Garten oder durch eine bessere Vergütung für qualitativ hochwertige landwirtschaftliche Produkte. Und noch etwas: Bio muß nicht teuer sein. Verzichten sie auf teure,  aufwendig verarbeitete Produkte (z.B Convenienceprodukte) kaufen sie biologische  Grundnahrungsmittel und biologische, unverarbeitete landwirtschaftliche Produkte. Dann ist eine biologische Ernährung nicht unbedingt teuer. Schließen sie sich zu Erzeuger-Verbraucherinitiativen zusammen und gründen sie Food-Coops (das ist so eine Art selbstorganisierter Laden). In größeren Mengen kaufen sie billiger ein, denn sie übernehmen dann die Arbeit der Verteilung. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch das CSA-Modell (Community Supported Agriculture), bei dem ein Zusammenschluss von KundInnen mit Mitgliedsbeiträgen eigene landwirtschaftliche Betriebe erhalten, von denen sie dann wiederum die Erzeugnisse umsonst bekommen.

Regionale Frische bevorzugen

Eine weitere Lanze brechen wir für den Kauf regionaler Produkte. Das hilft unter anderem bei der Vermeidung von Schadstoffemissionen, die durch den Transport von Nahrungsmitteln entstehen. Und es stärkt die Betriebe in der Region. Die Produkte sind frischer und gesünder. Am besten kaufen wir direkt bei den Erzeugern im Hofladen oder auf dem Markt. Der direkte Kontakt von VerbraucherIn und KonsumentIn  ist menschlich und es besteht die Möglichkeit Rückmeldungen zu geben und Fragen zu stellen. Warum finden wir die Marktkultur zum Besipiel in unserem Frankreichurlaub denn so schön? Warum gehört das Schlendern über Märkte zu den liebsten Freizeitbeschäftigungen und ist oft unverzichtbar im Urlaubsprogramm? Das können wir auch zuhause haben, vorausgesetzt wir sind bereit dazu, von Direkterzeugern auf dem Markt einzukaufen. Wo das bei uns in Thüringen möglich ist sagt Ihnen zum Beispiel der Einkaufsratgeber des Vereins Thüringer Ökoherz e.V.

Das Wissen um Selbstversorgung erhalten und verbreiten

Die nächstgelegene Alternative der Versorgung mit frischen und gesunden Nahrungsmitteln ist jedoch, sofern vorhanden, unser eigener Garten. Der eigene Anbau von Gemüse und Obst ist eine doppelt lohnende Beschäftigung. Zum einen erhält man die frischesten Nahrungsmittel überhaupt und zum anderen ist Gartenarbeit gut für die Seele, sie erdet uns und „bringt uns runter“ und kann uns ein Gefühl der Verbundenheit und der inneren Ruhe bringen. Ein doppeltes Plus an Lebensqualität. Sollten sie nicht die Möglichkeit eines Gartens haben, ein Topfgarten auf dem Balkon mit Tomaten und Gurken oder dem Fensterbrett mit frischen Kräutern ist auch schon ein Gewinn.  Es gibt auch Beispiele, wo sich an Gartenbau interessierte Menschen zusammengetan haben, um gemeinsam Flächen zu pachten und zum Anbau von Gemüse aber auch zur Erholung zu nutzen. Das bringt auch jede Menge sozialer Kontakte mit sich und das Leben wird reichhaltiger dadurch. In diesem Zusammenhang  möchte ich auch das Prinzip des Gärtnerns auf innerstädtischen Brachflächen erwähnen (Urban Gardening).  Wir unterstützen sozial ausgerichtete Gartenprojekte in unserer Region auch gerne durch Pflanzenspenden, so wie wir das beim interkulturellen Projekt „Bunte Gärten am Moseberg“ in Eisenach schon mehrere Jahre tun. Wir möchten sie jedoch auch als Einzelperson oder Familie bei ihren Bestrebungen zum Anbau von eigenem Gemüse und Kräutern unterstützen, zum einen mit unserem Angebot an biologischen Jungpflanzen im Frühjahr und zum anderen mit dem nötigen Wissen. Bitte stellen sie uns Fragen, wir hoffen darauf eine Antwort zu haben. Es ist unser wichtigstes Grundanliegen das Wissen um die Selbstversorgung mit Gemüse und Kräutern weiterzugeben und damit lebendig zu erhalten. Wir möchten die Freude, die wir im Umgang mit unseren Pflanzen und in unserem eigenen Selbstversorgungsgarten bei der Gartenarbeit empfinden, gerne auch in Ihnen wecken.

Was wir können, können sie auch

Und jetzt gibt es noch einen drauf: Sie können von jeder unserer Pflanzen (einzige Ausnahme ist die Harzfeuer-Tomate) Saatgut nehmen und dieses selbst wieder anbauen. Bei Tomaten und Chilisorten ist das ganz einfach. Viele unsere Blumenarten und auch einige Kräuter neigen sogar zur Selbstaussaat und kommen vielleicht gar von selbst wieder. Die Natur gehört uns allen. Sie können, wenn sie möchten, auch ihre Pflanzen im Frühjahr auf dem Fensterbrett aus gekauftem Saatgut versuchen selbst zu ziehen. Gutes biologisches Saatgut für den Hausgartenbedarf können sie zum Beispiel bei Dreschflegel oder Biosaat bestellen.

Alte Sorten bewahren und bekannt machen

Erzählen sie es weiter. Gartenarbeit macht Spaß. Es gibt die interessantesten Sorten, die wir uns manchmal gar nicht vorstellen können. Geben sie ihr Saatgut weiter, schenken sie ihrem Nachbarn ein paar grüngestreifte Tomaten. Probieren sie ungewohntes aus und urteilen sie selbst. Und sollten sie großes Interesse entwickeln, können sie Kontakt zu einer Initiative zur Erhaltung der Kulturpflanzenvielfalt (z.B. Kultursaat e. V.) aufnehmen und eine Sorte zum Eralt in ihren Garten aufnehmen. Denn, wenn viele Menschen an vielen Orten viele kleine Dinge tun, kann das das Gesicht der Welt verändern…

Die soziale Utopie, die wir leben

Wir sind ein Kollektivbetrieb von im Moment noch zwei Menschen. Das bedeutet für uns gleich Rechte und Pflichten im Betrieb. Wir haben eine gemeinschaftliche Rechtsform (GbR).  Wir entscheiden betriebliche Dinge in unseren regelmäßigen Arbeitsbesprechungen und wir entwickeln unsere Strategien gemeinsam in unseren jährlichen Klausurtagen. Wirtschaftlich gesehen sind wir als Kollektivbetrieb in die Kommune Waltershausen eingebettet, in der wir gemeinsam mit anderen Menschen kollektive Unternehmungen betreiben. Innerhalb der Kommune leben wir eine gemeinsame Ökonomie. Das bedeutet im wesentlichen das alle Einnahmen zusammen verwendet und alle Ausgaben gemeinsam bestritten werden. Geld für den persönlichen Bedarf kann aus der Gemeinschaftskasse entnommen werden. Wir sind alle gemeinsam für das Funktionieren unserer Ökonomie verantwortlich. Regelmäßige Feedbacks aus unserer Verwaltung schafft Transparenz für die Ausrichtung des individuellen Ausgabeverhaltens. Wir leben auf einem materiell gesehen geringem Niveau und wollen Zeit haben für die Beschäftigung mit nichtmateriellen, das bedeutet, sozialen Bedürfnissen wie Austausch, Kommunikation, Freundschaft, Umgang mit Kindern und Jugendlichen, Ruhe, politische Arbeit, innere Arbeit und dergleichen mehr. Grund, Gebäude und Produktionsmittel gehören uns gemeinsam.  Wir pflegen eine Entscheidungsfindung, die möglichst alle einschließt und mitnimmt. Das bedeutet das Gewahrwerden der eigenen Grundbedürfnisse und das Hinterfragen der selbstentwickelten Strategien, diese zu verwirklichen um eine gemeinsame Strategie zu finden, die für möglichst alle ein Gewinn ist. Das Zauberwort hierarchiefreien Entscheidens heisst Konsens. Was das bedeutet und welche inneren Lernprozesse dazu notwendig sind, von einer individualisierten mitteleuropäischen Sozialisation zu einer gemeinschaftlich denkenden und handelnden Lebensweise zu finden, ist ein lebenslanger Lernprozess. Das klingt jetzt fast ein bisschen nach Knast, aber in Wahrheit haben wir die Möglichkeit uns gegenseitig selbst zu bereichern, wenn wir gefallen an inneren Lernprozessen entwickeln.

Innere Lernprozesse verfolgen

Im zwischenmenschlichen ist es ähnlich wie in der Ökologie. Wir können nicht wirklich unabhängig voneinander existieren. Was wir Leben nennen entwickelt sich von Augenblick zu Augenblick neu und ist im ständigen Wandel begriffen. Das Zusammentreffen verschiedener Faktoren in einem Moment läßt Bedingungen entstehen, die zu diesem oder jenem Resultat führen.

Da ist das Beispiel der Blume. Sie existiert nicht aus sich heraus. Da braucht es einen Samen und Erde und dann noch Wasser und die Sonne. Es braucht manchmal Düngung durch Kompost oder irgendeine widerlich stinkende Pflanzenjauche. Es braucht die richtige Temperatur zur Keimung und zur Entwicklung. Es braucht die nötige Zeit bis sich die Blüte entfaltet. Manchmal braucht es auch einen Gärtner oder eine Gärtnerin, die für diese Bedingungen sorgt. Welche Blume kann aus sich heraus und für sich existieren? Und selbst wenn sie blüht ist die Blüte dann von Dauer? Nichts existiert wirklich nur für sich und Alles zeigt sich in einem Moment.

Ähnlich verhält es sich auch mit uns Menschen. Auch wir brauchen günstige Entwicklungsbedingungen, um irgendwann eines Tages zur vollen Blüte zu gelangen. Manche dieser Bedingungen können wir verbessern oder neu schaffen andere wiederum können wir uns nicht aussuchen.  Allerdings haben wir als empfindende und denkende Wesen prinzipiell die Möglichkeit, uns für eine Geisteshaltung zu entscheiden.

Wir können lernen, bewußt mit den im gegenwärtigen Moment auftauchenden Umständen umzugehen. Es ist unsere Entscheidung, ob wir auf sie in einer leiderzeugenden Weise reagieren möchten oder nicht. Und wenn starke Muster in uns aktiv sind, die uns zu beherrschen drohen? Auch diese sind im Grunde nicht von Dauer. Wir können lernen wie es geht, sie zu erkennen, zu akzeptieren und sie gehen zu lassen. Wir können sie annehmen lernen und aufhören, auf sie zu reagieren, sie mit Gedanken aufzubauschen und dadurch immer wieder neu entstehen zu lassen. Wie ist das möglich? Wie können wir quasi sinnbildlich zur Gärtnerin oder zum Gärtner unseres eigenen Bewusstseins  werden ? Können wir mit unseren eigenen Existenzbedingungen so umgehen, dass wir aufblühen können?

Wir können anfangen, unseren Geist und unseren Körper kennenzulernen, indem wir uns selbst beobachten.  Dadurch werden wir, wenn wir dranbleiben, schrittweise immer mehr vertraut mit unserem Erleben. Wir nehmen vielleicht Funktionsweisen unseres Geistes wahr. Oder Empfindungen im Körper, Gefühle und Gedanken. Wenn wir beobachten, wie wir innerlich funktionieren, werden sich schrittweise Erkenntnisse einstellen. Wir werden die Möglichkeit haben, gelassener zu sein und entspannter. Allerdings geht das leider nicht von heute auf morgen. Aber wenn wir dranbleiben, können wir sicher bald schon kleine Veränderungen bemerken.

Wir begeben uns an einen uns vertrauten sicheren Ort, wo wir nicht gestört werden, und nehmen uns dafür täglich 10- 20 Minuten Zeit. Wir setzen uns mit möglichst aufrechtem geraden Rücken auf einen Stuhl oder im Schneidersitz auf ein Kissen. Wir atmen ein paar mal tief ein und aus und lassen unseren Atem seinen eigenen Rythmus finden, folgen Ihm aber mit unserer Aufmerksamkeit.  Wahrscheinlich tragen uns dann recht schnell unsere Gedanken davon. Macht nichts. Darf sein. Wenn wir es bemerken, kehren wir einfach ohne uns daran zu stören mit der Aufmerksamkeit zum Atem zurück. Wenn wir Empfindungen im Körper wahrnehmen bemerken wir dies und kehren auf den Atem zurück. Wir beobachten vielleicht innerlich unsere Sitzhaltung. Dann schauen wir, ob wir in dieser Sitzhaltung noch etwas mehr entspannen können und kehren wieder zum Atem zurück. Wenn Emotionen in uns aufsteigen begrüßen wir sie und kehren wieder zu unserem eigenen Atem zurück. Wenn wir etwas sehen oder hören, bemerken wir das in uns etwas ausgelöst wird und kehren zum eigenen Atem zurück. Und so spielt unsere Aufmerksamkeit mit dem was wir wahrnehmen und empfinden. Wir versuchen nichts verändern zu wollen. Wir kehren einfach immer wieder zu unserem Anker, dem Atem zurück, den wir immer bei uns tragen.

Wenn wir damit anfangen und täglich dranbleiben, mit der richtigen Motivation fürs Ganze, können wir immer wieder neue Erfahrungen machen. Es gibt verschiedene Methoden, das eigene Bewußtsein kennenzulernen. In den östlichen buddhistischen Philosophien gibt es eine Menge konkreter „Landkarten“ zur Erkundung dieses Terrains aber auch Mystiker der verschiedensten Religionen haben sich auf diesen Weg gemacht. Es ist nichts Großes und Geheimnisvolles. Es ist nur Dein Erleben in diesem Augenblick und alles was in Dir und um Dich ist. Erkenne dich selbst und erkenne die Welt.

Wozu soll das gut sein? Was ist der Sinn? Wozu willst Du gut sein, was willst Du beitragen zu dieser Welt? Wenn wir versuchen, etwas liebevoller mit uns und der Welt umzugehen und wenn wir aufhören auf Ängste, Wut und Aggression mit den gleichen Mitteln zu reagieren, dann wird die Luft um uns herum klarer.

Wenn wir unsere eigenen Ängste besser kennenlernen, werden wir sie mit der Zeit auch immer besser stehen lassen können. Wir werden dann nicht mehr so leicht von unseren Reaktionen überwältigt und durch sie wie fremdgesteuert  in unangenehme Situationen der Beschuldigung und Verteidigung gezogen, in die wir eigentlich gar nicht geraten wollen. Wir machen uns frei von gewohnheitsmäßigen Handeln und erlangen wieder die volle Bestimmung über uns selbst und werden etwas weiter im Herz und im Geiste. Wir kultivieren in uns Freude, Gelassenheit und Mitgefühl. Das strahlen wir ganz von selbst aus durch das Da-Sein im Moment und vielleicht nimmt es andere mit und dann, ja dann wird die Welt Schritt für Schritt ein bisschen schöner. Was nehmen wir mit, wenn wir von dieser Erde gehen? Was bleibt zurück? Die Zeit ist kostbar! Nutzen wir sie!

Äußere Handlungen verwirklichen

Wenn wir uns unserer Selbst und dadurch des Aufbaus der Welt etwas annähern, wird uns in diesem oder jenem Moment unseres Lebens immer wieder einmal etwas klar werden, was wir tun möchten, um die Zustände auf diesem Planeten zu verbessern. Dann sollten wir unsere Motivation prüfen. Machen wir das, um anderen gut zu tun oder um uns selbst in einem positiveren Licht erscheinen zu lassen? Oder wollen wir uns am Ende gar damit brüsten?

Egal was wir für eine Handlung ausführen, die schönste und sauberste Haltung dahinter, ist eine, die für andere da ist, eine altruistische Haltung. Allerdings ist diese wiederum nur gut, wenn wir dabei auch auf uns achten können, auf die Gesundheit unseres Körpers und Geistes. Sonst werden wir sie vielleicht nicht lange ausführen können. Es gibt in unserem Umfeld zahlreiche Dinge die getan werden können. Auch wenn sie nicht immer eine Idee haben. Macht nichts. Durch das aufmerksame Wahrnehmen der eigenen Umgebung wird sich das von selbst ergeben. Sie werden diesen oder jenen Zustand erkennen, den sie im Außen gerne ändern oder verbessern würden, vielleicht gemeinsam mit Anderen. Gehen sie es an. Verändern sie das Gesicht der Welt. Schaffen sie sich Lebensbedingungen, in denen ein solches Engagement möglich ist. Und dann los für Frieden, bessere gesellschaftliche Verhältnisse, bessere Umweltbedingungen und freudvolleres Leben!

Mögen alle Wesen glücklich sein und Frieden finden.